Fritz Ackermann

Prof. Fritz Ackermann verstorben

13. Dezember 2021 /

Ein Nachruf von Dieter Fritsch und Uwe Sörgel

In Memoriam Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult. Friedrich (Fritz) Ackermann 1929 - 2021

Ackermann

 

Em. Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. mult.

 Friedrich (Fritz) Ackermann

Ehemaliger Professor für Photogrammetrie und Vermessungswesen und Direktor des Instituts für Photogrammetrie der Universität Stuttgart

 Wir trauern um unseren lieben Kollegen und Institutsgründer Friedrich (Fritz) Ackermann, der am 4. Dezember 2021 gestorben ist. Er hat mit seiner Berufung zum 1. April 1966 an die Universität Stuttgart das Institut für Photogrammetrie gegründet und war dessen Direktor bis 31. März 1992. Mit seinen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich der analytischen und digitalen Photogrammetrie hat er die Entwicklungen und den Fortschritt auf diesen beiden Gebieten maßgeblich beeinflusst und dem Institut für Photogrammetrie zu einem weltweiten Renommee verholfen. Für viele jüngere Photogrammeter war er immer ein Vorbild und stand für die enge Verbindung von Grundlagenforschung und Anwendung. Mit den von ihm initiierten Softwareentwicklungen mit seinem Spin-off inpho GmbH, Stuttgart (heute Trimble) konnte er sehr erfolgreichen Technologietransfer von der Forschung in die Praxis vorantreiben.

Fritz Ackermann wurde am 1. November 1929 in Moosbeuren (Ehingen) an der Donau geboren. Infolge des zweiten Weltkriegs war seine Schulausbildung, wie die von vielen seiner Generation, nicht ganz einfach. Er besuchte die Volksschule Moosbeuren und Ehingen (1936-1940) und danach das Gymnasium Ehingen, wo er 1949 mit dem Abitur abschloss. Nur wenige kannten seine Neigung zur Physik - er schrieb sich im selben Jahr an der Universität Tübingen für ein Physikstudium ein. Ein Jahr später begann er das Studium des Vermessungswesen an der damaligen Technischen Hochschule Stuttgart – ein Glücksfall für die Photogrammetrie. Sein Studium beendete er 1954 und beschloss, als junger Diplomingenieur erste Praxisluft zu schnuppern. Hierzu trat er in die Fa. Zeiss-Aerotopograph, München, ein und konnte mithelfen, in der analogen Photogrammetrie die filmbasierte Luftbildphotogrammetrie und photogrammetrische Auswertegräte weiterzuentwickeln. Nach fast vier Jahren Praxiserfahrung beschloss er, in die internationale Forschung und Entwicklung der Photogrammetrie einzutreten und bewarb sich 1958 beim Internationalen Trainings-Zentrum für Erdwissenschaften (ITC), das zu der Zeit in Delft ansässig war (heute Enschede und Teil der Universität Twente). Hier schloss er ganz nebenbei auch noch ein Masterstudium Photogrammetrie ab und lernte weitere anerkannte Wegbegleiter der photogrammetrischen Forschung wie H.G. Jerie und C.M.A. Van den Hout kennen, die zu diesem Zeitpunkt bereits in die analytische Photogrammetrie eingestiegen waren. Die analytische Formulierung der Bündelbockausgleichung war gerade von D.C. Brown ausgearbeitet und durch H.H. Schmid publiziert worden, der damit die erste weltumfassende photogrammetrische Triangulation zur geometrischen Bestimmung der Erdfigur am National Oceanic and Aeronatics Administration (NOAA)-Institut durchführte. Die analytische Blockausgleichung faszinierte auch den jungen Forscher Fritz Ackermann, der am ITC eine Doktorarbeit zu „Fehlertheoretischen Untersuchungen über die Genauigkeit photogrammetrischer Streifentriangulationen“ (DGK Reihe C, Heft-Nr. 87) anfertigen und diese 1964 an der Universität Stuttgart verteidigen konnte – Betreuer war Prof. E. Gotthardt. Für diese Dissertation wurde er mit dem Otto-von-Gruber-Preis der Internationalen Gesellschaft für Photogrammetrie (ISP) ausgezeichnet. Als Prof. E. Gotthardt 1965 an die Technische Universität München berufen wurde, war dessen Professur in Stuttgart vakant und Fritz Ackermann konnte in seinen Berufungsverhandlungen die Gründung eines neuen Instituts für Photogrammetrie einfordern – dessen Leitung übernahm er am 1. April 1966.

In Forschung und Entwicklung hat Fritz Ackermann weltweit Maßstäbe gesetzt. In der analytischen Photogrammetrie sind die Blockausgleichungen nach dem Verfahren der unabhängigen Modelle (Programm PAT-M) und des Strahlenbündels (Programm PAT-B) mit seinem Namen assoziiert. Er war es auch, der die Methode der Bildkorrelation nach der Methode der kleinsten Quadrate publiziert und in die Anwendung überführt hat (später Programm MATCH-T). Ende der 1980er Jahre hat er sich um die Integration von GPS in die Photogrammetrie bemüht, und damit die GPS-gestützte Aerotriangulation eingeführt, um die Projektionszentren durch DGNSS einzumessen – heute eine Selbstverständlichkeit. Mit dem Aufkommen des flugzeuggetragenen Laser-Profilings wurden erfolgreich hochgenaue Laserprofile erfasst und analysiert. In den frühen 1990er Jahren hat er sich um die digitale Aerotriangulation bemüht und diese in einen vollautomatisierten Workflow überführt (Programm MATCH-AT). Insgesamt wurden von ihm 26 Doktoranden und 3 Habilitanden betreut, die danach in Verwaltung, Universitäten und Hochschulen und der Industrie erfolgreiche Karrieren durchliefen. Kein Wunder, dass er vielfach auch als „Vater der modernen Photogrammetrie“ bezeichnet wurde. Neben der Forschung und Entwicklung war ihm stets der Technologietransfer wichtig: von 1973 bis 1991 hat er, gemeinsam mit der Fa. Carl Zeiss, Oberkochen, im zweijährigen Turnus die Photogrammetrische Woche an der Universität Stuttgart organisiert.

Bei so vielen Erfolgen blieben auch Ehrungen nicht aus. So ehrte ihn die Technische Universität Helsinki 1988 mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde Dr. tek. h.c., vier Jahre später verlieh ihm die Technische Universität Wien die Würde eines Dr. tech. E.h. Die Universität Wuhan zeichnet ihn 1989 mit einer Ehrenprofessur Prof. h.c. aus – eine mit den hiesigen Ehrendoktorwürden vergleichbare Auszeichnung. An der Universität Hannover wurde ihm 1995 der Dr.-Ing. E.h.  verliehen und in 2009 erhielt er die Dr.-Ing. E.h.-Auszeichnung von der Staatsuniversität Moskau für Geodäsie und Kartographie (MIIGAiK). Darüber hinaus war er Ehrenmitglied nicht nur der Deutschen Gesellschaft für Photogrammetrie und Fernerkundung und der ISPRS, sondern auch in den entsprechenden Fachgesellschaften in USA und Großbritannien.

Mit Fritz Ackermann verlieren wir und das Institut für Photogrammetrie der Universität Stuttgart einen extrem erfolgreichen Wissenschaftler, akademischen Lehrer und einen liebenswerten, freundlichen und bescheidenen Kollegen. Er war immer humorvoll im Umgang und liebte neben der Photogrammetrie besonders die Musik, unter anderem das Klavierspielen. Gerne erinnern wir uns an die 50-jährige Jubiläumsfeier des Instituts für Photogrammetrie im April 2016, welche er mit einer Klaviersonate einleitete – im Alter von mehr als 86 Jahren. Neben seiner Vorliebe zur Musik war ihm das Bergwandern und Skifahren wichtig, er war fast 80 Jahre alt, als er den Kilimandscharo bestiegen hat. Bis zuletzt hat er versucht, fachlichen Anschluss zu halten. Bei den photogrammetrischen Wochen war er bis zum Schluss Ehrenteilnehmer. Wir werden ihn sehr vermissen und sein Andenken in Ehren halten.

 

Dieter Fritsch und Uwe Sörgel

Institut für Photogrammetrie der Universität Stuttgart

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